37242 Bad Sooden-Allendorf

Hardtstraße 36, 37242 Bad Sooden-Allendorf
Tel.: 05652 – 55 0, FAX 05652 – 55 870

Informationen zu Krankheiten
Weitere Medizinische Informationen und Links - auch speziell von
 
der Neurologischen Abteilung der Klinik Hoher Meissner - finden Sie hier

Rehabilitation
Guillain-Barré-Syndrom

von Dr. med. Carsten Schröter


Im folgenden erhalten Sie eine Übersicht über die Rehabilitation bei Guillain-Barré-Syndrom. Wenn Sie mehr über das Guillain-Barré-Syndrom erfahren wollen, über Ursachen, Diagnostik und Therapie der Krankheit bei akuten Auftreten, schauen Sie auch auf unsere Internet-Seite:
 

www.guillainbarre-syndrom.de

Weitere Informationen zum Miller-Fisher-Syndrom, einer Variante des Guillain-Barré-Syndrom s, erhalten Sie auf der Seite
                                                       www.miller-fisher-syndrom.de   

Übersicht:

  • Rehabilitation – Guillain-Barré-Syndrom – Einleitung

  • Rehabilitation – Guillain-Barré-Syndrom – Muskuläre Schwäche

  • Rehabilitation – Guillain-Barré-Syndrom – Gefühlsstörungen

  • Rehabilitation – Guillain-Barré-Syndrom – Störungen der Lungenfunktion

  • Rehabilitation – Guillain-Barré-Syndrom – Störungen des Schluckens

  • Rehabilitation – Guillain-Barré-Syndrom – Störungen der Herz- und Kreislauffunktionen

  • Rehabilitation – Guillain-Barré-Syndrom – Krankheitsverarbeitung 

Rehabilitation – Guillain-Barré-Syndrom – Einleitung  

Das Guillain-Barré-Syndrom ist eine Erkrankung der Nervenbahnen, die vom Rückenmark zu den Muskeln oder anderen Organen bzw. von Haut und Organen zum Rückenmark ziehen. Am stärksten sind dabei in der Regel die längsten Nervenbahnen, die zum Bein ziehen, betroffen. Lähmungen und Gefühlsstörungen sind die häufigsten Symptome, aber auch andere Funktionen können betroffen sein. Pro Jahr erkranken von 100.000 Einwohnern etwa 1 bis 2. Dabei sind Männer im Verhältnis von 1,25 : 1 etwas häufiger betroffen als Frauen.  

Das Guillain-Barré-Syndrom zeigt sich mit oft von den Beinen aufsteigenden Muskelschwächen, die bis zu einer vollständigen Lähmung der Arme und Beine sowie Atemlähmung führen können. Die Muskeleigenreflexe sind nicht auslösbar. In unterschiedlichem Ausmaß treten auch Störungen der Sensibilität (Gefühl für Berührung, Schmerz, Temperatur, Lagesinn) auf. Ebenso wie die motorischen Symptome sind auch die Gefühlsstörungen meist rumpffern (distal) betont. Gerade die Muskelschwächen betreffend, können die Auffälligkeiten aber auch gelegentlich rumpfnah (proximal) betont auftreten. Ein Teil der Patienten weist Schmerzen im Bereich der Muskulatur auf. Auch die sogenannten Hirnnerven können in den Krankheitsprozess mit einbezogen sein, so insbesondere der Fazialisnerv, der die mimische Muskulatur des Gesichtes versorgt, oder die Nerven, die Augenmuskeln innervieren. Ebenso können die sogenannten autonomen Nerven mit erkranken und beispielsweise Herzrhythmusstörungen auslösen. Selten, etwa in 10 % der Fälle können auch Blasenentleerungsstörungen auftreten.  

Ziele der Therapie und insbesondere der Rehabilitation bei Patienten mit dem Guillain-Barré-Syndrom sind das Erreichen der Selbständigkeit in der Beweglichkeit und Selbstversorgung sowie der Teilhabe am sozialen Leben, nach Möglichkeit die komplette Rückbildung der Symptome. Die Behandlung ist am besten durch ein interdisziplinär arbeitendes Team aus Ärzten, Pflege, Krankengymnasten, Ergotherapeuten, Logopäden, Psychologen und Sozialarbeitern zu erreichen. Die Rehabilitation setzt bereits in der Akutsituation ein, muss aber auch nach Abschluss der Akutbehandlung fortgesetzt werden. Im folgenden soll schwerpunktmäßig über die Rehabilitation nach Abschluss der primären Diagnostik und Akutbehandlung berichtet werden.

Rehabilitation – Guillain-Barré-Syndrom – Muskuläre Schwäche  

Die Behandlung der Schwäche der Muskulatur, der sogenannten Paresen, ist ein wesentlicher Ansatzpunkt in der Behandlung des Guillain-Barré-Syndrom's. Ein vorsichtiger krankengymnastischer Kraftaufbau, insbesondere aber auch ein Training der Funktionen und eine Verbesserung der Ausdauer stehen im Mittelpunkt der Behandlung schwerer betroffener Personen. 

Die früher allgemein bei neuromuskulären Erkrankungen sehr propagierten isometrischen Übungen stellen zwar auch heute noch eine Theapiefacette dar, dynamische Übungen werden aber heute genauso berücksichtigt. Grundsätzlich sollte die Therapie nicht auf einer physiotherapeutischen Schulrichtung basieren, sondern für den einzelnen Patienten sollte aus den verschiedenen Schulen die individuell geeignetsten zusammengestellt werden. Wichtige Aspekte in der Therapie sind auch Freude und Motivation des Patienten. Nicht gehfähige Patienten können, wenn die Kreislauffunktionen dies zulassen, auch im Gangtrainer unter Gewichtsentlastung trainieren (s.a. www.gang-training.de).  

Wie auch andere Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen sollen Patienten mit einem Guillain-Barré-Syndrom angehalten werden, nicht bis zur Erschöpfung zu trainieren. Sie sollten über die Warnzeichen einer Überbelastung informiert werden. Hierzu gehören ein Schwächegefühl innerhalb von 30 Minuten nach der Übung oder Muskelschmerzen 24 bis 48 Stunden nach dem Training. Andere Warnsignale beinhalten ausgeprägte Muskelkrämpfe, Schweregefühl von Armen und Beinen und anhaltende Kurzatmigkeit. Muskelkater ist kein Zeichen eines effektiven Trainings, sondern Zeichen einer Überbelastung, weniger Training wäre hier mehr Effekt. Je mehr die Kraft wieder vorhanden ist, umso mehr wird die Feinmotorik und Koordination beübt.  

Bei einer Variante des Guillain-Barré-Syndrom's, dem Miller-Fisher-Syndrom, kann eine sogenannte Ataxie auftreten, eine Störung der Zielbewegungen, die in leichten Fällen das zielgerechte Bewegen der Arme leicht einschränkt, in schwereren Fällen aber auch Stehen und Gehen beeinträchtigen kann, obwohl die Kraft gut erhalten ist. Hier ist dann ein gezieltes Training der Koordination und Zielmotorik durch Krankengymnastik und Ergotherapie notwendig. 

Rehabilitation – Guillain-Barré-SyndromGefühlsstörungen  

Oft bestehen Gefühlsstörungen der Haut, sogenannte Störungen der Oberflächensensibilität. Hierunter fallen das Berührungs- und das Schmerzempfinden. Diese finden sich in der Regel rumpffern, also insbesondere an den Füßen und Unterschenkeln. Die Patienten sind darüber zu informieren, dass sie je nach Ausmaß der Störung regelmäßig (täglich) die Fußsohle ansehen müssen, um unbemerkte Verletzungen (Blasen, Splitter) nicht zu übersehen mit der Folge von eitrigen Infektionen. Weiter ist die Störung des Lagesinns erheblich beeinträchtigend. Als Gesunder wissen wir genau, in welcher Position sich unsere Gelenke im Raum befinden. Bei Störungen des Lagesinns ist dieses selbstverständliche Wissen nicht mehr gegeben. Der Patient muss die Bewegungen mit den Augen kontrollieren. Selbst bei guter Kraft ist das Gehen dann erheblich erschwert, besonders wenn durch Dunkelheit die Kontrolle durch die Augen nicht mehr ausreichend gegeben ist.  

Das Training der Oberflächensensibilität erfolgt – meist im Rahmen der Ergotherapie – durch die Gabe sensibler Reize, zum Beispiel mit dem Igelball, oder durch Übungen, bei denen der Patient durch das Gefühl verschiedene Oberflächen oder Gegenstände unterscheiden soll. Beispielsweise soll er in feinem Kies etwas größere Gegenstände ertasten.

Störungen des Lagesinns werden, soweit es die Beine betrifft, bereits bei der Physiotherapie (Krankengymnastik) berücksichtig. Soweit die Arme betroffen sind, ist mehr die Ergotherapie mit der Behandlung beschäftigt. Hier ist eine enge Abstimmung zwischen Krankengymnastik und Ergotherapie notwendig. Besonders bewährt hat sich gerade für diesen Bereich das Konzept nach Perfetti. Durch geführte Bewegungen über verschiedene Oberflächenstrukturen erlernt der Patient die Wahrnehmung wieder neu bzw. verbessert sie.  

Rehabilitation – Guillain-Barré-Syndrom – Störungen der Lungenfunktion  

Schwächen der Brustwandmuskulatur, des Zwerchfells und der Bauchmuskulatur können zu Störungen der Lungenfunktion führen. Diese Problematik wird bei einem Teil der Patienten mit Guillain-Barré-Syndrom beobachtet. Die Patienten müssen zum Teil sogar beatmet werden. Bei diesen Patienten ist zunächst nach der Akutphase das Abtrainieren von der Beatmung notwendig. Eine Behandlung beatmeter Patienten ist in unserer Klinik nicht möglich, außer es handelt sich um eine angepasste und bereits stabile Heimbeatmung. Aber auch bei Patienten, die von der Beatmung bereits abtrainiert sind oder eine Einschränkung der Atmung ohne Beatmungsabhängigkeit aufweisen, ist ein Atemtraining notwendig. Dies erfolgt in der Regel ebenfalls im Rahmen der Physiotherapie. Hier können ergänzend einfache Geräte eingesetzt werden, die der Patient auch außerhalb der eigentlichen Therapiezeit selbständig nutzen kann, beispielsweise der sogenannte Triflow®, bei dem in drei Säulen Bällchen durch die Atmung angehoben werden sollen. Neigen Patienten dagegen zur Verschleimung der Atemwege, kann durch den sogenannten Flutter® eine Verflüssigung des Schleims erreicht werden. Dies wie eine Pfeife aussehende Gerät enthält im „Pfeifenkopf“ eine Kugel, die beim Ausatmen den Luftstrom immer nur kurzfristig freigibt und dadurch ein Vibrieren der Atemwege bewirkt. 

Rehabilitation – Guillain-Barré-Syndrom – Störungen des Schluckens  

Störungen des Schluckens kommen beim Guillain-Barré-Syndrom nur sehr selten im Rahmen einer sogenannten bulbären Variante vor. Bestehen Störungen des Schluckens oder der Stimme, wie Heiserkeit, ist die logopädische Therapie notwendig. 

Rehabilitation – Guillain-Barré-Syndrom – Störungen der Herz- und Kreislauffunktion

Durch das Guillain-Barré-Syndrom können Herzrhythmusstörungen und Schwankungen des Blutdrucks auftreten. Regelmäßige Kontrollen sind deshalb auch während der Rehabilitation notwendig, beispielsweise durch das Langzeit-EKG. Besonders bei den genannten Störungen muss bei Einleitung eines Trainingsprogramms auch die Belastbarkeit der Herz- und Kreislauffunktion beachtet werden. Oft ist ein regelmäßiges Kreislauftraining notwendig, beispielsweise im Stehtisch oder Kippbett. 

Rehabilitation – Guillain-Barré-Syndrom – Krankheitsverarbeitung  

Oft werden bei Patienten mit Guillain-Barré-Syndrom depressive Störungen beobachtet. Die Verarbeitung der akut aufgetretenen und schwer beeinträchtigenden Erkrankung, das Erleben der Hilflosigkeit und Pflegeabhängigkeit aus völliger Gesundheit heraus, sich aus der Erkrankung ergebende Veränderungen oder Bedrohung der beruflichen und familiären Planungen und Zielsetzungen erfordern die Unterstützung der Krankheitsverarbeitung. Im Rahmen der Rehabilitation kann hier die psychologische Betreuung notwendig sein. Für Patienten, bei denen sich die Symptomatik nicht ausreichend zurückbildet, können Selbsthilfegruppen wichtige Hilfestellungen geben. In Deutschland sind die Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke.

In Deutschland sind die Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke (DGM, www.dgm.org), die GBS-Initaiative e.V. (www.gbsinfo.net) und die GBS-Selbsthilfegruppe der BRD e.V. (www.gbs-shg.de) aktiv. Mitglieder der Gruppen stellen auch Hilfestellungen dar beim Lösen sozialer Probleme oder bei der Beratung bzgl. Hilfsmitteln.  

Aber auch die Partner der Erkrankten dürfen bei der Krankheitsverarbeitung nicht vergessen werden. Auch sie können unter Störungen der Verarbeitung der Erkrankung des Partners leiden oder bei der Notwendigkeit der Pflege überlastet sein. Unterstützung können sie in der Rehabilitation erhalten und hinterher durch die Selbsthilfegruppen. 

Rehabilitation – Guillain-Barré-Syndrom – Hilfsmittel  

Wenn Restzustände der Erkrankung zurückbleiben, können eine Reihe von Hilfsmitteln die Bewältigung der Beeinträchtigungen durch die Krankheit erleichtern oder erst ermöglichen. Hierzu können gehören Duschstuhl, Badewannen-Lifter, Toilettensitzerhöhungen, Rollstuhl, Rampen für den Rollstuhl, Krankenbett, aber auch kleine Hilfen wir Greifzangen. Das Ausprobieren und die Versorgung mit Hilfsmitteln sind eine Domäne der Ergotherapie. 

Rehabilitation – Guillain-Barré-Syndrom Sozialmedizinische Aspekte  

Ist es absehbar, das Residuen der Erkrankung zurückbleiben, ist die Unterstützung durch den Sozialdienst der Rehabilitationsklinik notwendig, beispielsweise um gemeinsam einen Schwerbehindertenausweis oder eine der Behinderung angepassten Arbeitsplatzeinrichtung zu beantragen. Die Sozialarbeiter beraten und unterstützen bei diesen Problemen. Sie wissen, welche Kostenträger hierfür anzufragen sind. Auch bei der Beratung hinsichtlich der Frage der (Teil-) Berentung können wichtige Hilfestellungen gegeben werden.  

Rehabilitation – Guillain-Barré-Syndrom – stationäre Behandlungsmaßnahmen  

Stationäre Behandlungsmaßnahme zur Rehabilitation erfolgen in der Regel nach der Krankenhausbehandlung der akuten Erkrankung. Hier ist, insofern der Patient noch im Arbeitsleben steht, der Rentenversicherungsträger, z.B. BfA oder LVA, Kostenträger. Hat sich die Symptomatik nach der Rehabilitation noch nicht vollständig zurückgebildet, sind ambulante Therapien wie beispielsweise Krankengymnastik notwendig. Sollten dennoch beeinträchtigende Folgezustände der Erkrankung zurückbleiben, kann eine erneute stationäre Rehabilitation als sogenanntes Heilverfahren sinnvoll sein. Mit einem entsprechenden Antrag durch den Hausarzt oder betreuenden Neurologen wendet man sich an den zuständigen Kostenträger. Auch hierbei gilt, für Berufstätige ist der zuständige Kostenträger der Rentenversicherungsträger, also BfA oder LVA. Geht es bei der Reha-Maßnahme nicht um den Erhalt der Arbeitsfähigkeit, ist die Krankenkasse anzusprechen.  

Die Ausführungen wurden nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft erstellt. Sollten Ihnen Fehler oder Unklarheiten auffallen, bitten wir sie um Mitteilung. Auch Anregungen werden gerne aufgenommen. Regelmäßige Überarbeitungen und Ergänzungen sind vorgesehen. 

von Dr. med. Carsten Schröter

Chefarzt der Neurologischen Abteilung der Klinik Hoher Meissner
Arzt für Neurologie
Physikalische Medizin, Rehabilitationswesen
Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke seit 1990

Weitere Medizinische Informationen
und
Links für Patienten und Interessierte –
von Amyotrophe Lateralsklerose bis zur Therapie der spastischen Spinalparalyse -
finden Sie hier

Sagen Sie uns ruhig mal Ihre Meinung!
Oder stellen Sie uns Ihre Fragen...
und klicken Sie hier...

Weitere Informationen zu Krankheiten finden Sie bei der Wicker-Gruppe unter www.informationen-zu-krankheiten.de. Info-Material zur Klinik anfordern: www.wicker-gruppe.de/infomaterial-anfordern.html

Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unser Chefarzt im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.

Weitere Fragen? Ihre Meinung?
Schicken Sie uns eine E - mail

Dr. Carsten Schröter

Tel.: 05652 – 55 861, FAX 05652 – 55 814

Klinik Hoher Meissner
Hardtstraße 36, 37242 Bad Sooden-Allendorf
Tel.: 05652 – 55 0, FAX 05652 – 55 870

Impressum · · Anfahrt

Haftungshinweis:
Für die gemachten Angaben wird keine Gewähr übernommen; im Einzelfall ist immer ein Arzt zu konsultieren! Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte externer Links. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.