Rehabilitation
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Informationen zum Miller-Fisher-Syndrom, einer Variante des
Guillain-Barré-Syndrom
s, erhalten Sie auf der Seite
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Rehabilitation –
Guillain-Barré-Syndrom – Einleitung
Das Guillain-Barré-Syndrom
ist eine Erkrankung der Nervenbahnen, die vom Rückenmark zu den Muskeln
oder anderen Organen bzw. von Haut und Organen zum Rückenmark ziehen.
Am stärksten sind dabei in der Regel die längsten Nervenbahnen, die
zum Bein ziehen, betroffen. Lähmungen und Gefühlsstörungen sind die häufigsten
Symptome, aber auch andere Funktionen können betroffen sein. Pro Jahr
erkranken von 100.000 Einwohnern etwa 1 bis 2. Dabei sind Männer im
Verhältnis von 1,25 : 1 etwas häufiger betroffen als Frauen. Das
Guillain-Barré-Syndrom zeigt sich mit oft von den Beinen aufsteigenden
Muskelschwächen, die bis zu einer vollständigen Lähmung der Arme und
Beine sowie Atemlähmung führen können. Die Muskeleigenreflexe sind
nicht auslösbar. In unterschiedlichem Ausmaß treten auch Störungen
der Sensibilität (Gefühl für Berührung, Schmerz, Temperatur,
Lagesinn) auf. Ebenso wie die motorischen Symptome sind auch die Gefühlsstörungen
meist rumpffern (distal) betont. Gerade die Muskelschwächen betreffend,
können die Auffälligkeiten aber auch gelegentlich rumpfnah (proximal)
betont auftreten. Ein Teil der Patienten weist Schmerzen im Bereich der
Muskulatur auf. Auch die sogenannten Hirnnerven können in den
Krankheitsprozess mit einbezogen sein, so insbesondere der Fazialisnerv,
der die mimische Muskulatur des Gesichtes versorgt, oder die Nerven, die
Augenmuskeln innervieren. Ebenso können die sogenannten autonomen
Nerven mit erkranken und beispielsweise Herzrhythmusstörungen auslösen.
Selten, etwa in 10 % der Fälle können auch Blasenentleerungsstörungen
auftreten. Ziele der Therapie und insbesondere der Rehabilitation bei Patienten mit dem Guillain-Barré-Syndrom sind das Erreichen der Selbständigkeit in der Beweglichkeit und Selbstversorgung sowie der Teilhabe am sozialen Leben, nach Möglichkeit die komplette Rückbildung der Symptome. Die Behandlung ist am besten durch ein interdisziplinär arbeitendes Team aus Ärzten, Pflege, Krankengymnasten, Ergotherapeuten, Logopäden, Psychologen und Sozialarbeitern zu erreichen. Die Rehabilitation setzt bereits in der Akutsituation ein, muss aber auch nach Abschluss der Akutbehandlung fortgesetzt werden. Im folgenden soll schwerpunktmäßig über die Rehabilitation nach Abschluss der primären Diagnostik und Akutbehandlung berichtet werden. Rehabilitation –
Guillain-Barré-Syndrom
– Muskuläre Schwäche
Die Behandlung der Schwäche der Muskulatur, der sogenannten Paresen, ist ein wesentlicher Ansatzpunkt in der Behandlung des Guillain-Barré-Syndrom's. Ein vorsichtiger krankengymnastischer Kraftaufbau, insbesondere aber auch ein Training der Funktionen und eine Verbesserung der Ausdauer stehen im Mittelpunkt der Behandlung schwerer betroffener Personen. Die
früher allgemein bei neuromuskulären Erkrankungen sehr propagierten
isometrischen Übungen stellen zwar auch heute noch eine Theapiefacette
dar, dynamische Übungen werden aber heute genauso berücksichtigt.
Grundsätzlich sollte die Therapie nicht auf einer physiotherapeutischen
Schulrichtung basieren, sondern für den einzelnen Patienten sollte aus
den verschiedenen Schulen die individuell geeignetsten zusammengestellt
werden. Wichtige Aspekte in der Therapie sind auch Freude und Motivation
des Patienten. Nicht gehfähige Patienten können, wenn die
Kreislauffunktionen dies zulassen, auch im Gangtrainer unter
Gewichtsentlastung trainieren (s.a. www.gang-training.de). Wie
auch andere Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen sollen Patienten
mit einem Guillain-Barré-Syndrom angehalten werden, nicht bis zur Erschöpfung
zu trainieren. Sie sollten über die Warnzeichen einer Überbelastung
informiert werden. Hierzu gehören ein Schwächegefühl innerhalb von 30
Minuten nach der Übung oder Muskelschmerzen 24 bis 48 Stunden nach dem
Training. Andere Warnsignale beinhalten ausgeprägte Muskelkrämpfe,
Schweregefühl von Armen und Beinen und anhaltende Kurzatmigkeit.
Muskelkater ist kein Zeichen eines effektiven Trainings, sondern Zeichen
einer Überbelastung, weniger Training wäre hier mehr Effekt. Je mehr
die Kraft wieder vorhanden ist, umso mehr wird die Feinmotorik und
Koordination beübt. Bei
einer Variante des Guillain-Barré-Syndrom's, dem Miller-Fisher-Syndrom,
kann eine sogenannte Ataxie auftreten, eine Störung der Zielbewegungen,
die in leichten Fällen das zielgerechte Bewegen der Arme leicht
einschränkt, in schwereren Fällen aber auch Stehen und Gehen
beeinträchtigen kann, obwohl die Kraft gut erhalten ist. Hier ist dann
ein gezieltes Training der Koordination und Zielmotorik durch
Krankengymnastik und Ergotherapie notwendig. Rehabilitation –
Guillain-Barré-Syndrom –
Gefühlsstörungen
Oft
bestehen Gefühlsstörungen der Haut, sogenannte Störungen der Oberflächensensibilität.
Hierunter fallen das Berührungs- und das Schmerzempfinden. Diese finden
sich in der Regel rumpffern, also insbesondere an den Füßen und
Unterschenkeln. Die Patienten sind darüber zu informieren, dass sie je
nach Ausmaß der Störung regelmäßig (täglich) die Fußsohle ansehen
müssen, um unbemerkte Verletzungen (Blasen, Splitter) nicht zu übersehen
mit der Folge von eitrigen Infektionen. Weiter ist die Störung des
Lagesinns erheblich beeinträchtigend. Als Gesunder wissen wir genau, in
welcher Position sich unsere Gelenke im Raum befinden. Bei Störungen
des Lagesinns ist dieses selbstverständliche Wissen nicht mehr gegeben.
Der Patient muss die Bewegungen mit den Augen kontrollieren. Selbst bei
guter Kraft ist das Gehen dann erheblich erschwert, besonders wenn durch
Dunkelheit die Kontrolle durch die Augen nicht mehr ausreichend gegeben
ist. Das
Training der Oberflächensensibilität erfolgt – meist im Rahmen der
Ergotherapie – durch die Gabe sensibler Reize, zum Beispiel mit dem
Igelball, oder durch Übungen, bei denen der Patient durch das Gefühl
verschiedene Oberflächen oder Gegenstände unterscheiden soll.
Beispielsweise soll er in feinem Kies etwas größere Gegenstände
ertasten. Störungen
des Lagesinns werden, soweit es die Beine betrifft, bereits bei der
Physiotherapie (Krankengymnastik) berücksichtig. Soweit die Arme
betroffen sind, ist mehr die Ergotherapie mit der Behandlung beschäftigt.
Hier ist eine enge Abstimmung zwischen Krankengymnastik und Ergotherapie
notwendig. Besonders bewährt hat sich gerade für diesen Bereich das
Konzept nach Perfetti. Durch geführte Bewegungen über verschiedene
Oberflächenstrukturen erlernt der Patient die Wahrnehmung wieder neu
bzw. verbessert sie. Rehabilitation –
Guillain-Barré-Syndrom
– Störungen der Lungenfunktion
Schwächen
der Brustwandmuskulatur, des Zwerchfells und der Bauchmuskulatur können
zu Störungen der Lungenfunktion führen. Diese Problematik wird bei
einem Teil der Patienten mit Guillain-Barré-Syndrom beobachtet. Die
Patienten müssen zum Teil sogar beatmet werden. Bei diesen Patienten
ist zunächst nach der Akutphase das Abtrainieren von der Beatmung
notwendig. Eine Behandlung beatmeter Patienten ist in unserer Klinik
nicht möglich, außer es handelt sich um eine angepasste und bereits
stabile Heimbeatmung. Aber auch bei Patienten, die von der Beatmung
bereits abtrainiert sind oder eine Einschränkung der Atmung ohne
Beatmungsabhängigkeit aufweisen, ist ein Atemtraining notwendig. Dies
erfolgt in der Regel ebenfalls im Rahmen der Physiotherapie. Hier können
ergänzend einfache Geräte eingesetzt werden, die der Patient auch außerhalb
der eigentlichen Therapiezeit selbständig nutzen kann, beispielsweise
der sogenannte Triflow®, bei dem in drei Säulen Bällchen durch die
Atmung angehoben werden sollen. Neigen Patienten dagegen zur
Verschleimung der Atemwege, kann durch den sogenannten Flutter® eine
Verflüssigung des Schleims erreicht werden. Dies wie eine Pfeife
aussehende Gerät enthält im „Pfeifenkopf“ eine Kugel, die beim
Ausatmen den Luftstrom immer nur kurzfristig freigibt und dadurch ein
Vibrieren der Atemwege bewirkt. Rehabilitation –
Guillain-Barré-Syndrom
– Störungen des Schluckens
Störungen
des Schluckens kommen beim Guillain-Barré-Syndrom nur sehr selten im
Rahmen einer sogenannten bulbären Variante vor. Bestehen Störungen des
Schluckens oder der Stimme, wie Heiserkeit, ist die logopädische
Therapie notwendig. Rehabilitation – Guillain-Barré-Syndrom – Störungen der Herz- und KreislauffunktionDurch
das Guillain-Barré-Syndrom können Herzrhythmusstörungen und
Schwankungen des Blutdrucks auftreten. Regelmäßige Kontrollen sind
deshalb auch während der Rehabilitation notwendig, beispielsweise durch
das Langzeit-EKG. Besonders bei den genannten Störungen muss bei
Einleitung eines Trainingsprogramms auch die Belastbarkeit der Herz- und
Kreislauffunktion beachtet werden. Oft ist ein regelmäßiges
Kreislauftraining notwendig, beispielsweise im Stehtisch oder Kippbett. Rehabilitation –
Guillain-Barré-Syndrom
– Krankheitsverarbeitung
Oft werden bei Patienten mit Guillain-Barré-Syndrom depressive Störungen beobachtet. Die Verarbeitung der akut aufgetretenen und schwer beeinträchtigenden Erkrankung, das Erleben der Hilflosigkeit und Pflegeabhängigkeit aus völliger Gesundheit heraus, sich aus der Erkrankung ergebende Veränderungen oder Bedrohung der beruflichen und familiären Planungen und Zielsetzungen erfordern die Unterstützung der Krankheitsverarbeitung. Im Rahmen der Rehabilitation kann hier die psychologische Betreuung notwendig sein. Für Patienten, bei denen sich die Symptomatik nicht ausreichend zurückbildet, können Selbsthilfegruppen wichtige Hilfestellungen geben. In Deutschland sind die Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke. In
Deutschland sind die Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke (DGM, www.dgm.org), die
GBS-Initaiative e.V. (www.gbsinfo.net)
und die GBS-Selbsthilfegruppe der BRD e.V. (www.gbs-shg.de)
aktiv. Mitglieder der Gruppen stellen auch Hilfestellungen dar beim Lösen
sozialer Probleme oder bei der Beratung bzgl. Hilfsmitteln. Aber
auch die Partner der Erkrankten dürfen bei der Krankheitsverarbeitung
nicht vergessen werden. Auch sie können unter Störungen der
Verarbeitung der Erkrankung des Partners leiden oder bei der
Notwendigkeit der Pflege überlastet sein. Unterstützung können sie in
der Rehabilitation erhalten
und hinterher durch die Selbsthilfegruppen. Rehabilitation –
Guillain-Barré-Syndrom
– Hilfsmittel
Wenn Restzustände
der Erkrankung zurückbleiben, können eine Reihe von Hilfsmitteln die
Bewältigung der Beeinträchtigungen durch die Krankheit erleichtern
oder erst ermöglichen. Hierzu können gehören Duschstuhl,
Badewannen-Lifter, Toilettensitzerhöhungen, Rollstuhl, Rampen für den
Rollstuhl, Krankenbett, aber auch kleine Hilfen wir Greifzangen. Das
Ausprobieren und die Versorgung mit Hilfsmitteln sind eine Domäne der
Ergotherapie. Rehabilitation –
Guillain-Barré-Syndrom
– Sozialmedizinische Aspekte
Ist
es absehbar, das Residuen der Erkrankung zurückbleiben, ist die Unterstützung
durch den Sozialdienst der Rehabilitationsklinik notwendig,
beispielsweise um gemeinsam einen Schwerbehindertenausweis oder eine der
Behinderung angepassten Arbeitsplatzeinrichtung zu beantragen. Die
Sozialarbeiter beraten und unterstützen bei diesen Problemen. Sie
wissen, welche Kostenträger hierfür anzufragen sind. Auch bei der
Beratung hinsichtlich der Frage der (Teil-) Berentung können wichtige
Hilfestellungen gegeben werden.
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Guillain-Barré-Syndrom
– stationäre Behandlungsmaßnahmen Stationäre Behandlungsmaßnahme zur Rehabilitation erfolgen in der Regel nach der Krankenhausbehandlung der akuten Erkrankung. Hier ist, insofern der Patient noch im Arbeitsleben steht, der Rentenversicherungsträger, z.B. BfA oder LVA, Kostenträger. Hat sich die Symptomatik nach der Rehabilitation noch nicht vollständig zurückgebildet, sind ambulante Therapien wie beispielsweise Krankengymnastik notwendig. Sollten dennoch beeinträchtigende Folgezustände der Erkrankung zurückbleiben, kann eine erneute stationäre Rehabilitation als sogenanntes Heilverfahren sinnvoll sein. Mit einem entsprechenden Antrag durch den Hausarzt oder betreuenden Neurologen wendet man sich an den zuständigen Kostenträger. Auch hierbei gilt, für Berufstätige ist der zuständige Kostenträger der Rentenversicherungsträger, also BfA oder LVA. Geht es bei der Reha-Maßnahme nicht um den Erhalt der Arbeitsfähigkeit, ist die Krankenkasse anzusprechen. Die Ausführungen wurden nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft erstellt. Sollten Ihnen Fehler oder Unklarheiten auffallen, bitten wir sie um Mitteilung. Auch Anregungen werden gerne aufgenommen. Regelmäßige Überarbeitungen und Ergänzungen sind vorgesehen.
von
Dr. med. Carsten Schröter
Chefarzt der Neurologischen Abteilung der Klinik Hoher Meissner
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